Schnürt die Fußballschuhe und macht euch bereit, denn mit „Captain Tsubasa II: World Fighters“ haben Bandai Namco Entertainment und TAMSOFT CORPORATION die nächste Episode der „Captain Tsubasa“-Reihe für PC und Konsolen veröffentlicht. Wir haben uns auf den virtuellen Rasen begeben und verraten euch in unserer Rezension, ob der Fußballspaß auch abseits des Animes überzeugen kann.
Gameplay
Die Regeln des Fußballs sind eigentlich ganz einfach zu erklären: Zwei Teams mit jeweils elf Spielern stehen sich auf dem Platz gegenüber und am Ende muss das Runde ins Eckige. Doch bei „Captain Tsubasa“ ticken die Uhren etwas anders. Genau das ist einer der Gründe, warum das Franchise bereits seit vielen Jahren so beliebt ist. Hier geht es weniger um realistischen Fußball und stattdessen um Dramatik, spektakuläre Aktionen und Schüsse, die physikalisch eigentlich jeder Beschreibung spotten. „Captain Tsubasa II: World Fighters“ möchte uns genau dieses Gefühl vermitteln und lässt uns hautnah in den Anime eintauchen. Doch fangen wir von vorne an.
Das Spiel setzt nahtlos an die Abenteuer von Tsubasa und seinen Freunden an. Tsubasa befindet sich mittlerweile in Brasilien, um seinem Traum vom Profifußball zu verwirklichen. Für unsere eigene Reise durch die Geschichte erstellen wir zunächst einen individuellen Charakter und erleben die Geschehnisse anschließend aus dessen Perspektive.

Hier verschenkt das Spiel allerdings einiges an Potenzial. Unser selbst erstellter Charakter wird zwar als wichtige Figur eingeführt, bleibt im weiteren Verlauf aber erstaunlich blass. Wirklich Einfluss auf die Geschichte nehmen wir mit ihm nur selten. Teilweise wirkt es sogar so, als hätte man die Figur eher eingebaut, um dem Spieler das Gefühl zu geben, selbst Teil des „Captain Tsubasa“-Universums zu sein, ohne ihr tatsächlich eine größere Bedeutung zu geben. Dadurch stellt sich schnell die Frage, warum wir überhaupt einen eigenen Charakter erstellen, wenn die eigentlichen Stars der Geschichte ohnehin Tsubasa, Hyuga, Misaki und Co. bleiben.
Schön ist hingegen, dass man sich nicht nur auf die Geschehnisse rund um Tsubasa oder unsere eigene Figur konzentriert. Neben der eigentlichen Haupthandlung werden auch Nebengeschichten erzählt, die parallel in Japan stattfinden und unter anderem Publikumslieblinge wie Hyuga oder Misaki begleiten. Dadurch bekommen auch andere Charaktere mehr Raum und die Geschichte fühlt sich insgesamt umfangreicher an.
Das eigentliche Spielprinzip ist zunächst schnell erklärt: Der Ball muss ins Tor. Um das zu schaffen, müssen wir uns durch die gegnerische Verteidigung dribbeln, Pässe spielen und im richtigen Moment zum Schuss ansetzen. Besonders wichtig ist dabei der Torwart, der über einen eigenen Lebensbalken verfügt. Je weiter wir diesen reduzieren, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass unser nächster Schuss tatsächlich im Netz landet.

Um die gegnerische Abwehr möglichst effektiv zu überwinden, lohnt es sich, zuvor eine Kettenstufe aufzubauen. Dafür müssen wir möglichst viele Gegenspieler erfolgreich ausdribbeln und Spezialaktionen einsetzen. Je höher unsere Kettenstufe steigt, desto stärker fällt anschließend unser Schuss aus. Schaffen wir es schließlich, das Tornetz zu durchbrechen, wird die maximale LP des gegnerischen Torwarts für die laufende Partie dauerhaft reduziert. Dadurch steigen unsere Chancen auf einen Treffer deutlich.
Am Anfang laufen die Partien noch vergleichsweise ruhig ab. Das ändert sich jedoch schnell, sobald sich die Max-Aktionen-Leiste füllt und die Spieler auf dem Platz ihre Geheimwaffen auspacken. Neben den bekannten Spezialschüssen gibt es spektakuläre Dribblings, traumhafte Pässe, akrobatische Lufteinlagen und Grätschen, die schon beinahe an einen Mordversuch erinnern. Gerade diese Aktionen sorgen für die typischen „Captain Tsubasa“-Momente und machen einen großen Teil des Reizes aus. Gleichzeitig unterbrechen sie den Spielfluss teilweise immens. Denn kaum ist man wieder im Spiel, startet bereits die nächste lange Animation.
Überhaupt ist das Spielgeschehen stark geskriptet. Gerade auf der Nintendo Switch 2 hatten wir immer wieder Situationen, in denen eine Partie plötzlich durch einen Ladebildschirm oder eine Zwischensequenz unterbrochen wurde. Man selbst hat dabei keinerlei Einfluss auf das Geschehen. Plötzlich führt man beispielsweise mit 1:0, weil Tsubasa seinen Top-Spin eingesetzt hat. Die Szene sieht zwar spektakulär aus und sorgt zweifellos für Anime-Atmosphäre, auf Dauer sind die ständigen Unterbrechungen jedoch ermüdend.

Dadurch entsteht tatsächlich das Gefühl, eher eine interaktive Episode von „Captain Tsubasa“ zu schauen, als selbst ein Fußballspiel zu spielen. Gerade wer sich auf längere, zusammenhängende Partien freut, könnte sich daran stören. Die Entwickler wollen die Vorlage möglichst originalgetreu inszenieren, nehmen dafür aber in Kauf, dass der eigentliche Spielfluss immer wieder unterbrochen wird.
Trotzdem sollte man sich von Anfang an darüber im Klaren sein, dass „Captain Tsubasa II: World Fighters“ keine klassische Fußballsimulation sein möchte. Von einer realistischen Ballphysik oder taktischem Fußball ist hier wenig zu sehen – und das ist auch völlig in Ordnung. „Captain Tsubasa“ ist nun einmal „Captain Tsubasa“. Hier geht es um spektakuläre Szenen, völlig übertriebene Spezialtechniken und noch spektakulärere Tore.
Spielumfang und Online-Modus
Abseits der Kampagne stehen weitere Partien sowie Trainings- und Mehrspieleroptionen zur Verfügung. Gerade beim Online-Modus hätten wir uns allerdings deutlich mehr gewünscht. Statt nur mit den bereits vorhandenen Teams auf den Platz zu gehen, hätte sich ein umfangreicher Team-Building-Modus angeboten, bei dem wir uns unsere eigene Mannschaft aus verschiedenen Charakteren zusammenstellen und langfristig weiterentwickeln können.
Gerade ein System nach dem Vorbild von Ultimate-Team-Modi oder des „Captain Tsubasa“-Handyspiels hätte hier hervorragend gepasst. Charaktere sammeln, das eigene Traumteam aufbauen, Spieler verbessern und anschließend online gegen andere Teams antreten – das hätte dem Spiel auch abseits der Kampagne eine langfristige Motivation gegeben. So bleibt der Online-Modus hinter seinen Möglichkeiten zurück und fühlt sich eher wie eine Ergänzung als wie ein echtes Standbein des Spiels an.

Auch beim restlichen Umfang wäre etwas mehr Abwechslung wünschenswert gewesen. Wer nach der Kampagne noch zahlreiche Möglichkeiten erwartet, sich mit dem Spiel zu beschäftigen, könnte daher enttäuscht sein. Gerade das vorhandene „Captain Tsubasa“-Universum mit seinen zahlreichen Charakteren hätte genügend Material geboten, um deutlich mehr aus dem Spiel herauszuholen.
Grafik, Technik und Sound
Visuell hat „Captain Tsubasa II: World Fighters“ einiges zu bieten. Zumindest auf der Nintendo Switch 2 fängt das Spiel den Look und das Feeling des Animes hervorragend ein. Die Charaktermodelle sind detailreich gestaltet und auch die zahlreichen Spezialtechniken werden mit spektakulären Effekten in Szene gesetzt. Dabei bleibt die Darstellung angenehm flüssig und auch während actionreicher Partien mit mehreren Spezialtechniken gleichzeitig kommt die Technik nicht ins Straucheln. Gerade die Kombination aus den dynamischen Animationen und den bekannten Inszenierungen sorgt dafür, dass man sich schnell mitten in einer Episode des Animes wiederfindet.

Auch beim Sound setzt das Spiel auf eine ordentliche Portion Nostalgie. Neben eigens für das Spiel komponierten Stücken wurden teilweise auch bekannte Titel aus dem „Captain Tsubasa“-Universum integriert. Dadurch wird die Anime-Atmosphäre noch einmal deutlich verstärkt. Wer mit der Serie aufgewachsen ist, dürfte sich beim Durchhören des Soundtracks schnell in vergangene Zeiten zurückversetzt fühlen. Tatsächlich könnte man beinahe stundenlang im Optionsmenü verweilen und einfach der Musik lauschen.
Für zusätzliche Atmosphäre sorgt außerdem ein Kommentator, der die Partien entsprechend begleitet. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es hier allerdings nicht. Stattdessen stehen ein englischer und ein japanischer Kommentator zur Auswahl. Die Textausgabe ist hingegen vollständig auf Deutsch verfügbar, sodass zumindest bei den Menüs und Texten keine Sprachbarrieren entstehen.

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„Captain Tsubasa II: World Fighters“ ist vor allem eines: Fanservice pur. Das Spiel fängt den Look und das Gefühl des Animes hervorragend ein, bietet spektakuläre Spezialtechniken und sorgt gerade bei Fans der Reihe für jede Menge Nostalgie. Die flüssige Technik auf der Nintendo Switch 2 und der passende Soundtrack runden den gelungenen Gesamteindruck ab.
Allerdings verschenkt der Titel an einigen Stellen viel Potenzial. Die zahlreichen Unterbrechungen bremsen den Spielfluss, der eigene Charakter bleibt überraschend blass und auch der Online-Modus hätte deutlich umfangreicher ausfallen dürfen. Ein eigenes Team aufzubauen und langfristig weiterzuentwickeln, hätte dem Spiel gerade abseits der Kampagne deutlich mehr Motivation verliehen.
Wer „Captain Tsubasa“ liebt und spektakulären Anime-Fußball erleben möchte, bekommt hier viel geboten. Wer hingegen einen umfangreichen Fußballtitel mit langfristigem Multiplayer-Fokus erwartet, dürfte etwas enttäuscht sein.
Positiv
- Viele bekannte Charaktere und Nebengeschichten
- Anime-Optik hervorragend eingefangen
- Starker Soundtrack mit viel Nostalgie
Negativ
- Online-Modus bietet zu wenig Möglichkeiten
- Häufige Unterbrechungen und geskriptete Szenen
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Handlung
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Grafik
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Musik
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Spielspaß
